Nachwuchs verbindet Tradition mit digitalen Formaten und zeitgenössischer Musik

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Die in Oberkirch vergebenen Preise zeigen die Bandbreite regionalsprachiger Kulturarbeit in Baden-Württemberg. Alemannische, fränkische und schwäbische Beiträge werden in sechs Kategorien berücksichtigt. Mehr als 20 Preisträger erhalten dafür insgesamt 60.000 Euro. Neben Literatur, Film und Medienprojekten prägen musikalische Produktionen das Bild des Wettbewerbs. Rap nutzt Sprache und moderne Beats, Liedkunst setzt auf poetische Verdichtung, Musikkabarett verbindet Musik mit satirischer Bühnenarbeit. Diese Vielfalt belegt, dass Dialekt Publikumsgruppen erreicht und Räume eröffnet.

Moderator Stefan Unser präsentiert preisgekrönte Beiträge in Oberkirch live

Bei der zweiten Vergabe des Landesdialektpreises Baden-Württemberg wurden in Oberkirch über 20 Urheber gewürdigt. Die 2024 etablierte Auszeichnung vergab 60.000 Euro an Preisträger in sechs Sparten. Diese reichten von Junger Generation und Literatur über Film und Kabarett bis zu Lied/Musik sowie Neuen Medien. Moderator Stefan Unser erläuterte die prämierten Projekte anhand verschiedener Darstellungsformen. Worte, Bilder, Filme und Live-Auftritte vermittelten die sprachliche Vielfalt und den Einsatz alemannischer, fränkischer sowie schwäbischer Mundarten.

Beste Gruppe im Bereich Lied Musik setzt junge Akzente

Der prämierte Auftritt des Gässlesrap Kollektivs macht die Entwicklungsmöglichkeiten der Dialektmusik sichtbar. Mit „Viertelestaxi“ brachten Yannick Marszalek, Felix Neth, Frederik Maximilian Salden und Hannes Schmid Rap in schwäbischer Sprachfärbung auf die Bühne. Die Gruppe, deren Mitglieder aus Hohenstein und Stuttgart kommen, gewann den Preis für die beste Formation in der Sparte Lied/Musik. Neben der Anerkennung erhielt sie 3.333 Euro. Der Beitrag verbindet lokale Ausdrucksweisen mit zeitgemäßer Produktion und lebendiger Konzertdynamik.

Liedermacher Matthias Flad erhält für Sondermülldeponie 3333 Euro Preisgeld

Die Prämierung von Matthias Flad unterstreicht die Vielfalt der Kategorie Lied/Musik beim Landesdialektpreis Baden-Württemberg. Für „Sondermülldeponie“ erhielt der Künstler aus Dettingen an der Erms den Solopreis in Höhe von 3.333 Euro. Flad steht für Lieder, die bewusst auf ruhige Reflexion setzen. Seine schwäbischen Texte erschließen Themen aus Alltag, Gesellschaft und persönlichem Erleben. Damit belegt seine Arbeit, dass Dialektmusik über Unterhaltung hinausgehen und komplexe Gedanken in verdichteter sprachlicher Form ausdrücken kann.

Liedpoesie von Weiblen, Krause und Wahl-Eder erhält Opuspreis nun

Mona Maria Weiblen gewann gemeinsam mit Die Traufgängerinnen den Preis für das beste Opus. Das ausgezeichnete Stück trägt den Titel „Julius“ und entstand unter Beteiligung von Bernhard Krause sowie Susanne Wahl-Eder. Für das Projekt aus St. Johann und Berlin wurden 3.333 Euro vergeben. Weiblen und Wahl-Eder zählen seit ihrem Blaupreisgewinn im Jahr 2020 zu den bekannten Vertretern der Liedpoesie. Ihre Arbeiten nutzen Dialekt als tragendes Element einer klaren und gefühlvollen Klanggestaltung.

Zweiter Preis würdigt präzises Musikkabarett aus Baden-Württemberg beim Wettbewerb

Mit ihrem Programm „Ernst und Heinrich: NEX VERKOMMA LASSA“ erreichten Ernst Mantel aus Abtsgmünd und Heiner Reiff aus Rottenburg am Neckar den zweiten Platz. Vergeben wurde der Preis in der Sparte Kabarett, Comedy, Live-Performance und Bühnenkunst; er ist mit 3.000 Euro dotiert. Das Musikkabarett des Duos arbeitet mit bewusst gesetzten sprachlichen Nuancen und musikalischen Strukturen. Dadurch entsteht eine Bühnenform, in der Dialekt als tragendes Gestaltungsmittel für Humor, Rhythmus und präzise Beobachtungen dient auf der Bühne.

Wanderbühnenkabarett von Martin Wangler erhält höchste Auszeichnung des Landesdialektpreises

Der Hauptpreis im Bereich Bühnenkunst ging an Martin Wangler aus Breitnau. Prämiert wurde sein Musikkabarett „Fidelius on Tour – Land in Sicht“, das als Wanderbühnenproduktion konzipiert ist. Wangler erhält dafür 5.000 Euro. Den dritten Preis bekam Friedel Kehrer aus Reutlingen-Bronnweiler für „Sacha ond Sächla“. Mit Comedy und Liedpoesie entwickelt Kehrer ein Programm, das regionale Sprachformen unmittelbar vermittelt und alltägliche Erfahrungen in beobachtende, künstlerisch gestaltete und für Zuschauer anschauliche Bühnenszenen überführen kann.

Schwäbische mund.art erhält Auszeichnung für zeitgemäße Videospielprojekte im Wettbewerb

Als Beitrag zur digitalen Dialektvermittlung erhielten die Filme „SOS I“ und „SOS II“ eine Anerkennung beim Landesdialektpreis Baden-Württemberg. Das unter dem Titel „SOS – Streets of Stuttgart“ geführte Projekt belegte in der Sparte Neue Medien den dritten Platz und wurde mit 2.000 Euro prämiert. Produzent Pius Jauch aus Bösingen realisierte die Filme für schwäbische mund.art e.V. in Herrenberg. Videospiele dienen dabei als Zugang zu schwäbischer Sprache und zeitgemäßer regionaler Kulturvermittlung.

Audiovisuelle Projekte erhöhen die Reichweite regionaler Sprachen nachhaltig deutlich

Die prämierten Arbeiten zeigen, dass Dialekt für jüngere Zielgruppen besonders über visuelle und digitale Erzählformen erreichbar wird. Marius und Paul Beck erhielten für ihre ZDFNeo-Serie „Tschappel“ den Preis für den besten Langfilm. Weitere Anerkennung ging in der Sparte Junge Generation an „Guat gmonnte Utopien“, „HEATED (AT)“ und den Stimmenatlas „Sprachlandschaften“. Durch Film, Theater und audiovisuelle Produktionen wird regionale Sprache nicht nur dokumentiert, sondern als aktuelles Mittel kultureller Kommunikation wirksam vermittelt.

Forum Oberkirch zeigt regionale Musikkultur mit ausgezeichneten Künstlern live

Die Vormittagsveranstaltung „Beschd of Daheim“ beginnt am Samstag, 17. Oktober, um 10 Uhr im Forum am Hans-Furler-Gymnasium Oberkirch. Sie bringt sechs Preisträger des Landesdialektpreises zusammen: Berthold Kracke, Claudia Scherer, Klaus-Dieter Reichert, Markus Manfred Jung, Matthias Flad und Mona Maria Waiblen. Ihr Programm kombiniert Literaturvorträge, musikalische Beiträge und Gesang. Die Künstler treten in ihren angestammten Dialekten auf. Interessierte erhalten einen Zugang zu regionalen Klangbildern und erfahren, wie Sprache und Musik zusammenwirken.

Der Wettbewerb zeigt Dialekt als Bestandteil einer gegenwärtigen Musiklandschaft. Die Auswahl der Preisträger umfasst Gruppen, Solokünstler und Bühnenprojekte, die unterschiedliche ästhetische Mittel einsetzen. Rhythmusbetonter Rap steht neben erzählerischer Liedkunst und kabarettistischen Programmen. Zugleich verweisen Videoproduktionen und Spielideen auf technische Verbreitungswege, über die jüngere Hörer angesprochen werden. Der Landesdialektpreis schafft damit Aufmerksamkeit für regionale Sprache und dokumentiert, wie künstlerische Qualität, lokale Identität und moderne Medienpraxis wirkungsvoll und überzeugend verbunden werden können.

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