"Ruhrgebietsklänge" im Schatten des Förderturms
Wie klingt ein Eisenhüttenwerk? Welchen Takt schlug unter Tage der Abbauhammer? Was hören die Menschen heute an den ehemaligen Orten der Arbeit und Industrie im Ruhrgebiet? Wie klingen die Menschen im Ruhrgebiet? Diesen Fragen sind 110 Schüler zusammen mit ihren Lehrern aus Dortmund, Gladbeck und Castrop-Rauxel musikalisch nachgegangen. Am Samstag, 3. Juli, präsentieren sie ihre Antworten in selbstkomponierten und arrangierten Stücken auf der Zeche Zollern. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lädt ab 19 Uhr in seinem Dortmunder Museum zur "Nacht der Jugendkultur", die im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010 an vielen Orten des Reviers stattfindet. Der Eintritt ist frei.
Der LWL hat die musikalische Ruhrgebiets-Zeitreise mit der finanziellen Förderung des Ministerpräsidenten des Landes NRW zusammen mit drei Schulen initiiert. Alle Schulen legen einen Schwerpunkt ihres Schulprogramms auf die musikalische Erziehung: Das Adalbert-Stifter-Gymnasium in Castrop-Rauxel, das Städtische Ratsgymnasium in Gladbeck und die Marie-Reinders-Realschule in Dortmund. Impulse und Anleitung lieferten den Jugendlichen drei Ruhrgebiets-Musiker und Komponisten: Richard Ortmann und Guido Schlösser aus Dortmund sowie Gordon Kampe aus Essen.
Die 12- bis 18-jährigen Schüler gingen in den letzten Monaten zusammen mit den Musikern und Komponisten sowie Historikern des LWL-Industriemuseums auf musikalische Spurensuche. "Wir wollten gemeinsam ausprobieren, ob sich die Geschichte von der Industrialisierung bis zum Strukturwandel des Ruhrgebietes nicht auch anders als durch Daten und Fakten vermitteln lässt", erläutert Projektleiterin Anja Hoffmann vom LWL-Industriemuseum. "Unsere Industriedenkmäler zeigen mit ihrer Architektur, ihrer Technik und den Spuren der Menschen, die hier gearbeitet und gelebt haben, Geschichte und Wandel auf ganz besonders lebendige Art."
Unter Anleitung des Komponisten Gordon Kampe machten die Jugendlichen erste Schritte in die Welt des Arrangierens, Improvisierens und Komponierens. "Wichtig ist, dass die Jugendlichen Spaß haben, sich mit ihren Ideen beim Komponieren frei zu entfalten. Die Ergebnisse sind immer auf ihre ganz eigene Weise sensationell", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Essener Folkwang Universität der Künste.
Die Stücke: "Eisenhammerpassion", "Schrottophonie" und "bo-ey"
Unter Leitung von Oliver Ilgner und Guido Schlösser übte so die achtköpfige Bigband der Marie-Reinders-Realschule aus Dortmund eine 30-minütige-"Eisenhammerpassion" ein. Die Klasse 6b des Städtischen Ratsgymnasiums in Gladbeck erarbeitete mit Richard Ortmann ihre eigene "Schrottophonie". Der Leistungskurs Musik des Jahrgangs 12 des Gladbecker Gymnasiums versuchte sich mit ihrem Lehrer Zdenko Sojcic in eigenen Kompositionen: Daraus entstanden vier eigenständige Stücke: "Schwarze Hände" für Hände und Zuspielungen, "Ein verregneter Sommertag mit Currywurst an Mollsauce" für Band und Video, "Das Ruhpottderby alias - You'll never walk alone" für Schatten und "bo-ey" für einen vierstimmigen Chor.
Der Grundkurs Musik des Jahrgangs 12 des Adalbert-Stifter-Gymnasiums in Castrop-Rauxel
mit Michael Schembecker komponierte drei Stücke: "fiegephonie" pour violon solo, six bouteilles et accessoires, "hömma" für Mann mit Bollerwagen und sehr viele Cassettenrecorder und "schachtanaschranke" für Ana ihre Flöte und Begleitung
Die Kompositionen aller drei Ruhrgebietsschulen werden von Gordon Kampe zu einem "Wandel-konzert" im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund zusammengeführt. Sein eigens dafür komponiertes Stück "sweetest home" für Bassklarinette, Cello, Harfe und Schlagzeug präsentiert an diesem Abend das "ensemble adapter" aus Berlin.
Das Konzert beginnt um 19 im Magazin und ist kostenlos. Zwischen 16 und 2 Uhr bietet das LWL-Industriemuseum Zeche Zollern zudem Workshops im Instrumentenbau an (Materialkosten max. 20 Euro).
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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